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Reisebericht

28.05.2020

«Mitarbeitende on Tour» – Die längste Fahrt meines Lebens

In unserer Rubrik «Mitarbeitende on Tour» stellen wir in einer losen Serie Veloplus-Mitarbeitende vor, die ihre Velopassion leben und zelebrieren. Heute: Tyler Haab, der auf seiner Eintagestour knapp 14 Stunden im Sattel verbrachte und 360 Kilometer abspulte.

Tyler Haab ist ein Vollblutvelofahrer. Egal ob auf dem Rennvelo, Mountainbike, Alltagsvelo oder E-Bike – jährlich spult er weit über 10 000 Kilometer ab. Sei es auf Touren oder mit seinen täglichen Fahrten zur Arbeit. Auch wenn der erst 23-Jährige gerne mit seinem MTB die Trails rockt: Zuhause ist er auf den asphaltierten Strassen. Auf steilen Anstiegen. Auf Pässen. Und dies in der ganzen Schweiz. Denn die Schweiz kennt er dank seiner Rennvelotouren wie seine Westentasche. Kürzlich setzte sich der Verkaufsberater aus dem Veloplus-Laden Wetzikon für seine längste Eintagestour auf den Sattel: 360,59 Kilometer, 4511 Höhenmeter, 13:50 Stunden.

Geht es um höher, schneller, weiter? «Nein», sagt Tyler. «Es geht darum, einen ganzen Tag unterwegs zu sein – aus eigener Muskelkraft. Es geht darum, das Abenteuer zu suchen. Die Herausforderung. Es geht um einzigartige Landschaften. Um Inspiration, Motivation. Ums Erlebnis.»

So startete seine Tour 6 Uhr morgens und führte von Meilen nach Landquart, Davos, über den Flüelapass bis ins Oberengadin nach La Punt. Via Albulapass nach Bergün, Lenzerheide bis nach Chur. Von der Bündner Hauptstadt nach Walenstadt, durch die March und über den Seedamm bis nach Meilen zurück.

Eine echte Mammuttour, für die am Morgen sicher drei Teller Spaghetti notwendig waren – oder? «Nein», sagt Tyler lachend, «da wäre ich im Anschluss viel zu träge». Aber natürlich brauche es ein Frühstück, das Kräfte verleiht. Sein Morgenessen: 300 Gramm Zopf mit Honig, ein Müesli aus Haferflocken und Früchten sowie einen Milchdrink. «Aber es ist wichtig, sich über diese Distanz auch unterwegs permanent zu verpflegen.» Riegel und Gels sowie isotonischen Getränke hatte Tyler dabei. «Der Mix macht es aus. Nur Iso-Getränke reicht nicht. Nur Gels auch nicht. So muss jeder für sich herausfinden, was ihm über 14 Stunden Kräfte verleiht.» Und auch wenn er schon unzählige Touren gemacht hat, hat ihn die jüngste wieder etwas gelehrt: «Ich habs mit den Iso-Getränken übertrieben und musste einige Pinkel-Stopps mehr einlegen als geplant», witzelt er.

Aber selbst wer sich ausreichend verpflegt, ist auf einer solchen Tour nicht von Tiefpunkten befreit. Erst recht nicht vor mentalen. So vermieste der zähe Aufstieg auf den Flüelapass beziehungsweise das immer schlechter werdende Wetter und die Kälte kurzzeitig Tylers Laune. «Ich habe gewusst, dass es nicht ganztags schön sein wird, aber es war dann doch ein wenig schlimmer als erwartet – und vor allem kälter.» So musste er sich kurzfristig gegen die Kälte schützen: «Ich habe unterwegs Beinlinge gekauft und gleich mit der Schere zerschnitten», erzählt Tyler. Die Beinlinge hat er sich auf die richtige Länge gekürzt, damit er lediglich warme Knie hat aber dennoch nicht überhitzt, wenn er im Aufstieg ist. Dank gekürzter Beinlingen – also eigentlich ¾-Hosen – und zwei Kollegen, die ihn ab dem Flüelapass bis auf den Albulapass begleiteten, kam die Motivation zurück.

Mit der Abfahrt vom Albula knackte er nach knapp 9 Stunden die 200 Kilometer-Marke, hat aber immer noch 160 km vor sich. Zu diesem Zeitpunkt sonnen sich die Unterländer dicht gedrängt am Zürcher Seebecken. Tyler mag das auch. Doch er liebt die Freiheit. Die Freiheit auf seinem Rennrad. Und so saust er mit 80 Sachen den Pass hinunter. Der Schwung kann er zwar mitnehmen, der letzte Aufstieg nach Parpan bringt ihn jedoch nochmals an seine Grenzen. «Zum Schluss war da der lange, schleichende Aufstieg auf die Lenz, die Sonne, die extrem drückte, der fiese Gegenwind: Da war ich echt am Leiden.»

Erzählt er heute von seinem Abenteuer, stehen aber die emotionalen Höhepunkte im Vordergrund: Seine Premiere über den Flüelapass, der noch autofreie Albulapass, der Schnee, der sich auf den Pässen teilweise noch meterhoch türmt. Er hat viel gesehen. Nicht nur auf seiner längsten Tour, sondern im Verlauf der letzten Wochen. So hat er im laufenden Jahr mit seinem Rennvelo bereits die Pässe Julier, Albula, Flüela, Furka, Klausen oder etwa den Gotthard bezwungen. Kommendes Wochenende sollen Lukmanier, Nufenen und Oberalp dazukommen. Sein Ziel: «Dieses Jahr will ich jeden Bündner Pass abfahren.»

Den letzten «Gipfel» hat Tyler auf seiner Tour mit Parpan erreicht. Von da an ging es steil runter nach Chur und durch die Ebene zurück nach Meilen. Als er der Seepromenade am Zürichsee entlangfährt, haben sich die Badetouristen längst verzogen. Die Sonne steht tief, auf den Strassen ist es ruhig. «Es war ein echtes Glücksgefühl, die Tour so gut gemeistert zu haben.» Zwar war er nach knapp 14 Stunden im Sattel müde, aber mit Penne und Bolognese gab er seinem Körper den verdienten Lohn.

Und der nächste Morgen? «Es ging mir super. Ich habe mich gut erholt, gut gefrühstückt und mir mit einer lockeren, zweistündigen Ausfahrt über 50 Kilometer die Beine ausgefahren.»

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